Porto Santo Strand: Was macht ihn so besonders?

Viele Strände haben goldenen Sand. Viele haben klares Wasser. Einige sind neun Kilometer lang. Porto Santo hat das alles zusammen und noch etwas, das die meisten Strände Europas nicht haben: einen Sand, dem Universitäten in Oslo und Aveiro nachgewiesen haben, dass er tatsächlich heilt. Das klingt nach Tourismusprospekt. Ist es aber nicht. Dahinter steckt eine Geschichte, die vor Millionen Jahren begann.

Woher der Sand kommt

Der Strand von Porto Santo ist nicht aus Stein entstanden, der übers Wasser geschliffen wurde. Der Sand stammt aus einem riesigen Korallenriff, das hier vor langer Zeit zerstört wurde. Korallen, Muschelschalen, Seeigelskelette, alles wurde über Jahrhunderte vom Atlantik zerrieben, an die Südseite der Insel gespült und dort zu einem neun Kilometer langen Streifen aufgebaut.

Was übrig blieb, ist ein biogener, karbonatreicher Sand. Feinkörnig, leicht goldgelb, mit einer Struktur, die gut an der Haut haftet. Und vollgepackt mit Mineralien: Magnesium, Kalzium, Phosphor, Schwefel, Jod, Chrom und vor allem Strontium, das entzündungshemmend wirkt.

Die Einheimischen wussten das schon lange. Sie haben sich früher einfach in die Dünen gelegt und eingegraben. Kein Spa, kein Programm. Nur Sand und Sonne.

Was der Sand bewirkt

Die Universitäten Aveiro und Oslo haben den Sand unabhängig voneinander untersucht und kommen zum selben Ergebnis: Er wirkt therapeutisch, besonders bei rheumatischen und orthopädischen Beschwerden. Rheuma, Arthrose, Gicht, Osteoporose, Fibromyalgie – das sind die Diagnosen, bei denen Ärzte Aufenthalte auf Porto Santo empfehlen.

Der Mechanismus ist einfach: Wenn der Sand auf 40 Grad aufgeheizt ist und man drin liegt, öffnen sich die Poren. Über Schwitzen nehmen sie die Mineralien auf. Das Hotel Porto Santo & Spa hat daraus eine formelle Behandlung gemacht, zwölf Wannen, qualifiziertes Personal, 25 bis 30 Minuten pro Anwendung, zweimal täglich über zwei Wochen. Nach eigenen Angaben zeigen sich dann deutliche Ergebnisse.

Wer kein Spa buchen will, macht es einfach am Strand. Eingraben, eine halbe Stunde warten. Kostenlos, ohne Termin. Ob es genauso wirkt wie die kontrollierte Anwendung, lässt sich schwer sagen.

Neun Kilometer, kaum Gedränge

Das Zweite, was den Strand besonders macht, ist seine schiere Größe im Verhältnis zur Besucherzahl. Die Insel hat rund 5.000 Einwohner und empfängt deutlich weniger Touristen als vergleichbare Ziele im Atlantik. Selbst im Hochsommer sind die Abschnitte abseits von Vila Baleira oft ruhig. Wer morgens früh geht oder sich ein paar hundert Meter von den Hotels entfernt, findet fast immer Platz.

Wir waren Ende Mai dort. Sieben Uhr morgens, fast niemand. Ein Läufer, ein Hund, das Meer. Kein Liegestuhlkampf, keine Strandbar mit Musik auf Boxen. So muss das sein.

Das Wasser

Die Wassertemperatur liegt im Sommer zwischen 22 und 25 Grad, im Winter um 18 Grad. Der Einstieg ist flach, der Untergrund sandig, keine Überraschungen für Kinder oder schlechte Schwimmer. Das Wasser ist klar, an ruhigen Tagen sieht man bis auf den Grund, und das bei einem offenen Atlantikstrand, nicht bei einer geschützten Bucht.

Unterwasser gibt es einiges zu entdecken. Zwei versunkene Schiffe liegen vor der Ostküste als künstliche Riffe, das Versorgungsschiff Madeirense seit 2000, die Korvette General Pereira d’Eça seit 2016. Für Schnorchler und Taucher lohnt sich die Anfahrt.

Das Klima

Porto Santo hat rund 3.000 Sonnenstunden im Jahr. Das Klima ist mild, der Wind kommt meist vom Nordostpassat, die Temperaturen schwanken das ganze Jahr über wenig, im Winter selten unter 16 Grad tagsüber, im Sommer selten über 30. Für einen Strandurlaub ohne Hitzekollaps ist das ideal. Wir haben im Mai kurze Hose und leichtes Sweatshirt mitgehabt. Beides war in Ordnung.

Was der Strand nicht ist

Wer Strandclub, Musik, Cocktailbars und dichtes Programm sucht, ist hier falsch. Es gibt Strandbars, es gibt Restaurants, aber keine Party bis morgens und keine Liegestühle auf Tuchfühlung. Auch Wellen für Surfer gibt es kaum, der Strand ist zu geschützt, zu flach, zu ruhig.

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