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Porto Santo: Alles, was du über die kleine Atlantikinsel wissen musst

Wer Porto Santo sagt, meint meistens den Strand. Neun Kilometer weißer Sand, kaum Betrieb, ruhiges Wasser. Das stimmt, aber es ist nur ein Teil der Geschichte. Hinter der Küste liegt eine Insel mit einer Geschichte, die weit über den Atlantik hinausreicht, mit Menschen, die seit Generationen hier leben, und mit einem Alltag, der sich von dem auf Madeira grundlegend unterscheidet. Dieser Artikel erklärt, was Porto Santo wirklich ist.

Fakten zur Insel

Porto Santo liegt etwa 42 Kilometer nordöstlich von Madeira und gehört zum Madeira-Archipel. Die Insel ist rund elf Kilometer lang und nicht mehr als sechs Kilometer breit. Die Gesamtfläche beträgt rund 42 Quadratkilometer. Zum Vergleich: Madeira ist mehr als zehnmal so groß.

Rund 5.000 Menschen leben auf Porto Santo, die meisten davon im Hauptort Vila Baleira. Im Sommer kann sich diese Zahl kurzfristig vervierfachen, wenn Touristen von Madeira und dem europäischen Festland kommen. Im Winter ist die Insel fast unter sich.

Der Name kommt aus dem Portugiesischen und bedeutet schlicht „Heiliger Hafen“. Wie er entstanden ist, erklärt die Geschichte.

Geschichte: Von der Sturmzuflucht zur Kolumbusinsel

Porto Santo wurde 1418 von den Seeleuten João Gonçalves Zarco und Tristão Vaz Teixeira entdeckt. Die Entdecker gaben der Insel den Namen „Porto Santo“, weil sie hier vor einem furchtbaren Sturm Schutz fanden. Es war die erste bedeutende Entdeckung im Rahmen der portugiesischen Seefahrerexpansion. Von hier aus wurde später Madeira erkundet und besiedelt.

Berühmtester Bewohner war der Entdecker und Seefahrer Christoph Kolumbus, der um 1450 einige Jahre auf Porto Santo lebte. Er heiratete hier Filipa Moniz, die Tochter des ersten Gouverneurs der Insel, Bartolomeu Perestrelo.

Sein angebliches damaliges Wohnhaus befindet sich in Vila Baleira und ist heute ein kleines Museum. Kolumbus soll auf Porto Santo durch angespültes Strandgut wie unbekannte Früchte und Hölzer in seiner Idee bestärkt worden sein, dass es im Westen noch unentdecktes Land gibt. Tatsächlich findet man am Strand oft Samen und Hölzer aus der Karibik. Ob der Zusammenhang stimmt, ist historisch nicht belegt, aber es ist eine gute Geschichte.

Die frühen Besiedler fanden eine bewaldete Insel mit Drachenbäumen und Wacholder vor. Davon ist heute kaum etwas übrig. Jahrhunderte der Landwirtschaft und Abholzung haben die Insel in die karge, trockene Landschaft verwandelt, die man heute sieht. Das ist kein Makel, es gehört zum Charakter des Ortes.

Leben auf Porto Santo heute

Die Bewohner leben überwiegend von der Fischerei und dem Tourismus. Landwirtschaft gibt es noch, aber nur in kleinem Maßstab. Die meisten Güter des täglichen Bedarfs kommen per Fähre oder Flugzeug von Madeira oder vom portugiesischen Festland, was sich in den Preisen bemerkbar macht.

Bis vor einigen Jahren bestand die Bevölkerung hauptsächlich aus Familien, die schon seit Generationen auf der Insel lebten. Inzwischen kommen auch ausländische Rentner, um hier dauerhaft zu wohnen. Die Inselidentität ist dabei geblieben. Es gibt eine freundschaftliche Rivalität mit Madeira, wie das unter Nachbarn im Atlantik nun einmal so ist.

Das Alltagsleben ist überschaubar. Ein Supermarkt, ein paar Bäcker, ein Markt, Cafés am Hauptplatz. Wer aus einer deutschen Großstadt kommt und gewohnt ist, dass alles immer offen ist, muss sich anpassen. Mittagspause ist Mittagspause. Abends schließen viele Läden früh. Das empfinden manche als Einschränkung, andere als Befreiung.

Lebenshaltungskosten: Was kostet das Leben auf Porto Santo?

Konkrete Zahlen für Porto Santo speziell sind kaum verfügbar, weil die Insel zu klein ist für große Datenerhebungen. Was man sagen kann: Die Kosten liegen grob auf Madeira-Niveau oder leicht drüber, weil fast alles importiert werden muss.

  • Wohnen: Für eine möblierte Einzimmerwohnung zur Langzeitmiete sind je nach Lage und Ausstattung 400 bis 700 Euro pro Monat realistisch. Angebote darunter gibt es, aber selten und kaum öffentlich ausgeschrieben, eher über persönliche Kontakte.
  • Lebensmittel: Regionales Obst und Gemüse sind preiswert, während importierte Produkte teurer sein können. Das gilt auf Porto Santo noch stärker als auf Madeira, weil der Transportweg länger ist. Wer lokal einkauft und nicht auf deutsche Markenprodukte besteht, kommt gut zurecht.
  • Restaurants: Ein einfaches Mittagsmenü mit Fisch, Salat und Wasser kostet in den lokalen Restaurants zwischen 8 und 12 Euro. Touristisch ausgerichtete Strandlokale sind teurer.
  • Transport: Ein Mietauto kostet je nach Saison zwischen 30 und 60 Euro pro Tag. Öffentliche Busse gibt es, aber der Takt ist dünn. Wer die Insel erkunden will, kommt ohne eigenes Fahrzeug oder Fahrrad schwer zurecht.

Gesamtbild: Porto Santo ist ideal für Ruhesuchende. Die Expat-Community ist kleiner und die Infrastruktur einfacher als auf Madeira, doch genau das macht für viele den Reiz aus. Eine Handvoll Restaurants, Geschäfte und Dienstleistungen decken die meisten Bedürfnisse ab. Als Einzelperson kann man auf Porto Santo gut mit 1.200 bis 1.500 Euro pro Monat auskommen, wenn die Wohnung nicht zu teuer ist und man nicht im Restaurant lebt.

Klima und beste Reisezeit

Porto Santo hat mehr Sonne als Madeira, weil die Insel flacher ist und die Wolken, die sich an Madeiras Bergen stauen, hier seltener hängen bleiben. Im Jahresdurchschnitt liegen die Temperaturen zwischen 18 und 26 Grad. Es gibt kaum Regen. Der Wind ist fast immer da, was im Sommer angenehm ist und im Winter manchmal lästig.

Die Hauptsaison läuft von Juni bis September. August ist der vollste Monat, dann kommen viele Madeirenser selbst für ein paar Tage an den Strand. Wer Ruhe sucht, fährt im Mai, Oktober oder November. Der Strand gehört dann fast allein einem.

Anreise und Verbindung nach Madeira

Die Fähre der Porto Santo Line fährt täglich von Funchal nach Vila Baleira. Die Überfahrt dauert je nach Bedingungen zwischen zwei und zweieinhalb Stunden. Auf der Fähre gibt es ein Restaurant und ein Spielzimmer für Kinder. Wer Glück hat, sieht Delfine auf der Überfahrt.

Im Sommer 2014 wurde Porto Santo erstmals direkt von Deutschland aus angeflogen. Inzwischen gibt es saisonale Direktflüge aus einigen deutschen Städten. Ganzjährig geht es über den Flughafen Madeira, von dort dauert der Inlandsflug nach Porto Santo knapp 20 Minuten.

Wer passt hierher, wer nicht?

Porto Santo ist kein Ort für Menschen, die Abwechslung und Programm brauchen. Es gibt keinen Zoo, kein Aquapark, keine Discothek, keine Shoppingmeile. Wer zwei Wochen Strand, Wandern und gutes Essen sucht, ohne ständig beschäftigt sein zu müssen, wird sich sofort wohlfühlen. Wer am dritten Tag Langeweile bekommt, wenn nichts passiert, sollte besser auf Madeira bleiben.