Porto Santo hat einen Ruf unter Tauchern, der sich von dem unterscheidet, was man oben an der Oberfläche sieht. Wer die Insel nur vom Strand kennt, kennt die flache, goldene Seite. Wer einmal runtergeht, sieht etwas anderes: vulkanische Felsformationen, klares Atlantikwasser und zwei Schiffswracks, die heute zu den interessantesten Tauchzielen im gesamten Madeira-Archipel gehören.
Inhaltsübersicht
Der Marinepark: Schutzgebiet und Tauchrevier
Die meisten Tauchplätze liegen in einem Marineparkgebiet an der Südseite der Insel, das eine große Fülle an Meereslebewesen bietet. Das Schutzgebiet erstreckt sich vor der Südküste und hat dafür gesorgt, dass die Unterwasserwelt hier deutlich artenreicher ist als in ungeschützten Bereichen.
Insgesamt gibt es knapp 20 Tauchspots rund um Porto Santo. Die Tiefen reichen von flachen Einstiegstauchgängen direkt vom Strand bis zu den Wracks in 30 bis 34 Metern. Das klare Wasser bietet eine ausgezeichnete Sichtweite, die oft bis zu 30 Meter reicht. An besonders ruhigen Tagen kommen sogar Werte über 40 Meter vor.
Die zwei Wracks: Madeirense und Cordeca
Das sind die Hauptattraktionen und der Grund, warum viele Taucher gezielt nach Porto Santo fahren.
MS Madeirense
Die MS Madeirense ist ein 1960 in Portugal gebautes Fracht- und Passagierschiff, welches im Oktober 2000 als Portugals erstes künstliches Riff absichtlich versenkt wurde. Das Wrack liegt etwa 1,6 Kilometer vom Ufer entfernt und etwa 34 Meter unter der Meeresoberfläche. Der Frachter ist 70 Meter lang.
In den mehr als zwei Jahrzehnten seit der Versenkung hat sich auf dem Wrack ein dicker Bewuchs gebildet. Anemonen, Muscheln, Schwämme. Rund um den Rumpf sammeln sich die Fische in Schwärmen, die sonst selten so dicht zusammenkommen.
Corveta Cordeca
Die Cordeca ist eine 80 Meter lange Corvette, die als zweites Wrack vor Porto Santo liegt. Das Kriegsschiff der portugiesischen Marine wurde 2016 gezielt versenkt, um als künstliches Riff zu dienen. Jünger als die Madeirense und deshalb noch weniger bewachsen, dafür strukturell vollständiger und mit durchkriechbaren Gängen.
Aufgrund der Tiefe und der teilweise engen Gänge beim Durchtauchen werden die Tauchgänge an den beiden Wracks als mittelschwer eingestuft. Für Anfänger mit wenig Erfahrung ist die Cordeca einsteigerfreundlicher als die Madeirense, weil sie flacher liegt.
Was man unter Wasser sieht
Die Wracks sind der spektakuläre Teil, aber die Rifftauchgänge sind das, was Porto Santo von anderen Spots abhebt.
Begegnungen mit verschiedenen Rochenarten, braunen und makaronesischen Zackenbarschen, Muränen sowie mit Schwärmen von Brassen, Zahnbrassen, Barrakudas, Stachelmakrelen und großen Bernsteinmakrelen sind an der Tagesordnung.
An den Wracks findet man immer riesige Schwärme von Goldstriemen, verschiedene Brassenarten, Barrakudas und Zackenbarsche, darunter große Meros, Stachel- und Schmetterlingsrochen sowie jagende Amberjacks, Pargos und Drückerfische.
Dazu kommen an flacheren Rifftauchgängen Seepferdchen, Tintenfische und gelegentlich Delfine, die Tauchboote auf dem Weg zu den Spots begleiten.
Ein besonderer Tauchgang ist der archäologische Spot. Es gibt einen archäologischen Tauchgang, bei dem zu antiken Kanonen getaucht wird. Lage und Hintergrund dieser Kanonen sind nicht vollständig dokumentiert, aber der Spot ist bei lokalen Tauchbases buchbar.
Die Tauchschulen vor Ort
Auf Porto Santo gibt es zwei hauptsächliche Anbieter, beide erfahren und deutschsprachig teilweise abgedeckt.
Rhea Dive Campo de Baixo, Südküste, integriert in den Außenbereich des Vila Baleira Resorts. Rhea Dive ist seit 2007 auf der Insel aktiv, PADI, SSI und DDI zertifiziert. Miguel leitet die Basis und spricht sehr gut Englisch, sein Mitarbeiter Uwe ist Deutscher und lebt ganzjährig auf der Insel.
Rhea Dive verfügt über zwei Boote: den Katamaran Thalita, 12 Meter lang mit Platz für bis zu 38 Taucher, ausgestattet mit Sauerstoff, Erste-Hilfe-Ausrüstung, Toilette und Dusche, sowie das Zodiak Mako für 12 Taucher mit 225-PS-Außenborder, GPS und VHF-Radio.
Porto Santo Sub Das Team von Porto Santo Sub fährt täglich mit dem Boot verschiedene Tauchplätze im maritimen Nationalpark an. Gute Bewertungen für faire Preise, kompetente Einweisung und solide Ausrüstung.
Für wen es sich lohnt
Die Anzahl, Abwechslung und die unterschiedlichen Schwierigkeitsgrade der Tauchspots machen Porto Santo zu einem idealen Ort für Urlauber, die nicht zum reinen Tauchurlaub anreisen, sondern eigentlich Familienurlaub machen. Ideal für Familien ist die Lage: Pool und Strand liegen vor der Haustür, dazu die Möglichkeit, recht unkompliziert einen Tauchgang zu arrangieren.
Wer noch nie getaucht ist, kann auf Porto Santo einen Schnuppertauchgang buchen. Der typische Ablauf bei Rhea Dive: Vormittags geht es mit der Kleingruppe in den Salzwasserswimmingpool des Hotels gleich um die Ecke, am Nachmittag dann per Boot zum Tauchspot, wo es ernst wird.
Wer erfahren ist und gezielt für die Wracks kommt, braucht mindestens Open-Water-Zertifizierung für die Riffe und Advanced-Niveau für die Wracks in 30 plus Metern. Nitrox ist bei Rhea Dive für zertifizierte Taucher buchbar.
Beste Zeit zum Tauchen
Die Artenvielfalt, die guten Sichtverhältnisse und die Wassertemperatur machen das Tauchen um Madeira das ganze Jahr über möglich. Im Sommer ist das Wasser am wärmsten, im Winter können die Oberflächenbedingungen auf dem Weg zu den Spots ruppiger sein, was aber unten nichts ändert. Die Wracks sind ganzjährig buchbar.






