Die meisten Artikel über Porto Santo beschreiben denselben Rundkurs: Strand, Kolumbus-Museum, Pico do Castelo, Basaltorgel, fertig. Das sind alles gute Empfehlungen. Aber nach ein paar Tagen auf der Insel merkt man, dass es deutlich mehr gibt, wenn man bereit ist, ein bisschen abzuweichen. Hier ist, was wir für uns entdeckt haben.
Inhaltsübersicht
Der Strand Zimbralinho: schwer zugänglich, fast immer leer
Vom Hauptstrand wissen alle. Vom Zimbralinho die wenigsten, obwohl er nur wenige Kilometer entfernt liegt. Der Weg dorthin führt durch unmarkiertes Gelände, der letzte Abschnitt ist steil und lose. Mit Flipflops geht das nicht. Wer sich trotzdem traut, findet einen kleinen Strand zwischen Felsen, der selbst im August fast menschenleer ist. Das Wasser ist klar, ideal zum Schnorcheln, weil die Felsen als Windschutz dienen und das Meer hier ruhiger ist als am offenen Hauptstrand.
Nicht für Kinder geeignet und nicht bei feuchtem Untergrund. Aber wer trittsicher ist und Ruhe sucht, wird es nicht bereuen.
Die Basaltorgel heißt im Volksmund „das Klavier“
Auf Karten und in Reiseführern steht sie als „Basaltorgel am Pico de Ana Ferreira“. Die Einheimischen nennen sie schlicht „o Piano“, das Klavier. Der Berg setzt sich aus sehr unregelmäßigen prismatischen Basaltformationen zusammen, die durch eine langsame Erstarrung von Magma tief im Inneren des Vulkanschlots entstanden sind. Von der Seite sehen die Säulen tatsächlich aus wie die Tasten eines riesigen, schiefen Instruments.
Was viele Besucher nicht wissen: Man kann direkt darunter stehen. Es gibt keinen Zaun, keine Absperrung, kein Schild das einen fernhält. Man läuft einfach hin. Das beste Licht für Fotos ist nachmittags, wenn die Sonne von Westen auf die Felsen fällt.
Thalassotherapie richtig machen
Der heilende Sand von Porto Santo ist kein Touristenmärchen. Der Strand ist wegen der therapeutischen Eigenschaften seines karbonhaltigen Sandes berühmt, der sich aus Korallen-, Muschel- und Seeigelsedimenten zusammensetzt. Die heilende Wirkung ist wissenschaftlich nachgewiesen und unterstützt besonders bei der Behandlung von Rheuma- und Knochenerkrankungen.
Der Fehler, den viele Urlauber machen: Sie liegen einfach auf dem Sand und erwarten Wunder. Die traditionelle Methode ist eine andere. Man gräbt sich ein, am besten bis zur Hüfte oder tiefer, und bleibt so mindestens 20 bis 30 Minuten liegen. Die Wärme, die der Sand speichert, kommt dann von allen Seiten gleichzeitig. Ob das wirklich gegen Gelenkschmerzen hilft, muss jeder selbst beurteilen. Es ist auf jeden Fall ein eigenartiges und angenehmes Erlebnis, das man sonst nirgends hat.
Die Naturpools im Norden: nur bei Ebbe
Die Küste im Norden und Osten der Insel ist rau, felsig und wenig besucht. Bei Porto de Frades und Salemas gibt es Naturpools in der Lava, die bei Ebbe smaragdgrünes, warmes Wasser halten. Zu Hochwasser sind sie überspült und nicht zugänglich.
Man muss vorher prüfen wann Ebbe ist, das IPMA-Portal des portugiesischen Wetterdienstes zeigt die Gezeiten tagesaktuell an. Der Weg dorthin ist nicht ausgeschildert, es gibt keinen Parkplatz und keinen Imbiss. Genau deshalb ist es dort schön.
Die Fähre nicht als Transportmittel betrachten
Wer von Madeira nach Porto Santo kommt, nimmt die Fähre meistens nur, weil es der günstigste Weg ist. Das ist schade. Die Überfahrt dauert rund zwei Stunden, und das Meer zwischen den Inseln ist oft voller Leben. Delfine folgen dem Schiff regelmäßig, manchmal über längere Strecken. Fliegende Fische sieht man auch, wenn man an der Reling steht und nicht drinnen am Bildschirm sitzt.
Tipp: Frühzeitig einsteigen und einen Platz auf dem Außendeck sichern, auf der Steuerbordseite bei der Hinfahrt Richtung Porto Santo. Die Aussicht beim Einlaufen in den Hafen mit dem goldenen Strand im Blick ist einen frühen Aufbruch wert.
Camacha: das Dorf, das die meisten auslassen
Vom Miradouro da Portela mit den drei Windmühlen sind es nur wenige Minuten Fußweg ins Dorf Camacha. Es liegt auf einem Hügel mit Blick über die gesamte Insel, hat ein kleines Café, ein paar alte Häuser und so gut wie keine Touristen. Die meisten bleiben am Aussichtspunkt, fotografieren die Windmühlen und fahren weiter.
Camacha lohnt sich als kurze Pause. Nicht wegen besonderer Sehenswürdigkeiten, sondern weil es sich anfühlt wie das echte Porto Santo, ohne Hotelschilder und Strandbars.
Fonte da Areia: kaum besucht, fotogen
Die Sandsteinquelle an der Westküste steht zwar auf manchen Karten, wird aber von Reiseführern meistens in einem Halbsatz abgehandelt. Das ist ungerecht. Die Quelle selbst ist längst nicht mehr aktiv, aber die Felsen drumherum sind über Jahrhunderte vom Wasser in Form gehöhlt worden. Schichten, Kurven, Texturen, die man so nicht nachbauen könnte. Wer ein Auge für Details hat und gerne fotografiert, verbringt dort leicht eine Stunde.
Das Gelände ist öffentlich zugänglich, der Parkplatz klein, die Besucherzahlen gering.
Abends in Vila Baleira: nicht das Restaurant wählen, das vorne steht
Die Restaurants direkt am Hauptplatz und an der Strandpromenade sind für Touristen gemacht, nicht für Einheimische. Die Preise sind höher, die Karten auf Englisch, die Atmosphäre entsprechend. Wer ein paar Gassen weiter läuft, findet kleinere Lokale mit Tagesmenüs, frischem Fisch und Preisen, die deutlich unter dem liegen, was vorne verlangt wird.
Es gibt keine App dafür und keine Liste. Man muss einfach laufen und schauen, wo mittags die Einheimischen sitzen. Das funktioniert.
Mit dem Fahrrad statt mit dem Auto
Porto Santo ist flach genug für Fahrräder, zumindest im südlichen Teil. Es gibt Verleihstationen in Vila Baleira. Wer nicht auf die Berge im Norden muss, kommt mit dem Rad gut zurecht, vom Hauptort bis zum westlichen Strandende und zurück ist es eine schöne Tour von zwei bis drei Stunden mit Pausen.
Das spart Mietwagenkosten und man sieht mehr. Man muss auf die Sonne achten, schattige Abschnitte gibt es fast keine.
Das eigentliche Geheimnis
Porto Santo ist kein Geheimtipp mehr, aber es fühlt sich noch so an. Weil die Insel zu klein ist für Massentourismus und zu weit entfernt für Tagesausflüge. Wer hierher kommt, bleibt ein paar Tage, und wer ein paar Tage bleibt, fängt irgendwann an, die Insel selbst zu entdecken, nicht den Reiseführer davon.






