Wer in Vila Baleira Urlaub macht und nur zum Strand geht, kennt die Marina nicht. Sie liegt zwei Kilometer östlich vom Ortszentrum, außerhalb der üblichen Strandroute, und wird von den meisten Urlaubern schlicht nicht gefunden. Das ist schade, weil der Spaziergang durch den Hafen und über den Wellenbrecher einer der schönsten der Insel ist.
Inhaltsübersicht
Ein Hafen mit Geschichte
Bis ins 20. Jahrhundert ankerten die Schiffe auf der Reede vor der Insel. 1929 wurde direkt am Hauptort Vila Baleira eine 102 Meter lange Pier gebaut, über die ein Teil des Passagier- und Frachtverkehrs abgewickelt wurde und die heute als Teil der Promenade genutzt wird. Der heutige Hafen liegt zwei Kilometer östlich von Vila Baleira. Der Bau begann 1978, wurde 1984 fertig gestellt und im selben Jahr eröffnet.
Vor 1984 gab es also keinen richtigen Hafen. Segler ankerten draußen auf der Reede und kamen per Beiboot an Land. Das erklärt, warum Porto Santo lange Zeit so schwer erreichbar war und warum die Insel sich so lange ihren unberührten Charakter behalten konnte.
Die Marina: Zahlen und Fakten
Der erste Hafen, den Segler finden, wenn sie das portugiesische Festland oder die Straße von Gibraltar in Richtung offener Atlantik verlassen, ist Porto Santo Marina. Der an der Südküste der Insel gelegene Jachthafen befindet sich innerhalb des Handelshafens und wird von zwei Molen mit Leuchttürmen geschützt.
Das kristallklare Wasser mit einer Mindesttiefe von 3 Metern erleichtert das Manövrieren der Boote, welche zwischen 6 und 30 Meter lang sein können. Die Liegeplatzkapazität auf Schwimmpontons beträgt 139 Plätze.
Die Marina ist so ausgestattet, Reparatur und Instandhaltung von Schiffen zu ermöglichen. Den Gästen werden Wasser und Strom sowie Toiletten und Umkleideräume angeboten. Ein Segelboot von 42 Fuß zahlt nach aktuellen Angaben rund 43 Euro pro Tag, 140 Euro pro Monat, was im atlantischen Vergleich günstig ist.
Warum Segler hier Halt machen
Die Marina ist beliebt bei Seglern aus Orten im Mittelmeerraum und Portugal. Dies ist der erste Haltepunkt für alle, die vom portugiesischen Festland oder vom Mittelmeer in Richtung des warmen Klimas des Südatlantiks aufbrechen.
Für Segelboote und Yachten aus Europa ist Porto Santo der erste Zwischenstopp nach mehreren Tagen auf freier See. Wer von der Algarve kommt, hat rund 450 Seemeilen hinter sich. Bereits 30 Seemeilen vor dem Landfall tauchen die ersten Konturen schemenhaft am Horizont auf. Das ist für viele Crews ein emotionaler Moment, die erste Insel nach Tagen ohne Land.
Das erklärt die bemalten Hafenmauern. Wer nach tagelanger Überfahrt in diesen Hafen einläuft, ist froh und dankbar. Und hinterlässt ein Bild.
Der Spaziergang: das eigentliche Argument
Die Marina selbst ist kein Touristenziel. Pontons, Boote, ein Hafenbüro, eine kleine Werftanlage. Was sich lohnt, ist der Spaziergang über die Mole.
Von der Spitze des östlichen Wellenbrechers aus schaut man zurück auf die Insel. Der gesamte Küstenverlauf liegt vor einem: der goldene Strand von links bis weit nach rechts, die Hügel im Hintergrund, Vila Baleira darunter, die Berge im Norden. Von keinem anderen Punkt aus sieht man Porto Santo so vollständig auf einmal. Dieser Blick ist der Grund, warum man den zwanzig Minuten langen Fußweg vom Ortszentrum in Kauf nimmt.
Bunte Gemälde säumen die Wände des Jachthafens, diese wurden von Seeleuten aus Dankbarkeit für eine sichere Reise und der Suche nach Segen für die Weiterreise gemalt. Die Hafenmauer mit den Schiffsgrüßen liegt auf dem Weg dorthin. Wer beide kombiniert, hat einen Nachmittag gut investiert.
Praktische Infos
Die Marina liegt zwei Kilometer östlich von Vila Baleira. Mit dem Auto fünf Minuten, zu Fuß etwa zwanzig entlang der Küstenstraße. Der Zugang zum Hafengelände ist tagsüber frei, der Wellenbrecher öffentlich begehbar.
Lediglich bei starkem Südwestwind kann es auf den Pontons etwas unruhig werden, weil dann Schwell in den Hafen läuft. Für Spaziergänger spielt das keine Rolle, aber bei starkem Wind weht es auf dem Wellenbrecher ordentlich.
Die alte Pier von 1929 im Ortszentrum ist heute Teil der Strandpromenade und ebenfalls gut für einen Abendspaziergang. Kürzer, weniger Ausblick, aber mit dem Ortsleben drumherum.
Koordinaten der Marina: 33° 03′ 6″ N – 16° 18′ 9″ W
Was man dort nicht findet
Keine Restaurants direkt am Hafen, kein Café auf der Mole, kein organisiertes Ausflugsprogramm. Eine Metallgiraffe in fast Originalgröße steht am Hafeneingang. Warum, weiß niemand genau. Porto Santo ist manchmal einfach so.
Wer die Fähre aus Funchal ankommen sehen will, stellt sich auf den Wellenbrecher und wartet. Das Schiff taucht zunächst als kleiner Punkt am Horizont auf und braucht noch eine Viertelstunde, bis es in die Hafeneinfahrt dreht. Das klingt unspektakulär, ist es aber nicht.
















